Stapel von alten Büchern

Scheidung ohne Anwalt? Ist dies möglich oder empfehlenswert?

“Kann ich mich auch ohne Anwalt scheiden lassen?” ist eine Frage, die wohl viele Menschen beschäftigt. Theoretisch ist eine Scheidung ohne Anwalt tatsächlich möglich, denn in Österreich herrscht für eheliche Trennungen keine Anwaltspflicht. Doch wie sieht es in der Praxis aus?

Scheidung ohne Anwalt – Eine gute Idee? 

Viele Menschen fragen sich, ob es wirklich notwendig ist, einen Anwalt für die Scheidung zu beauftragen. Besonders wenn es sich um eine einvernehmliche Scheidung handelt, wo sich beide Parteien über die Umstände der Trennung einig sind und wo kein böses Blut herrscht, ist man versucht, auf rechtlichen Beistand zu verzichten, um so Geld zu sparen. Doch eine eheliche Scheidung ist ein komplexer juristischer Sachverhalt, der von Laien undurchschaubar ist.

Rechtsanwalt als Anlaufstelle für Fragen 

Fragen zu Unterhaltsansprüchen, Obsorgeregelungen und Vermögensaufteilung sind komplizierte juristische Angelegenheiten, über die man sich vor dem Scheidungsverfahren auf jeden Fall eingehend informieren und herausfinden sollte, was diese für die eigene, individuelle Situation bedeuten. Am geeignetsten dafür ist ein Scheidungsanwalt, der sich genügend Zeit nehmen kann, um auch bei Detailfragen zur Verfügung zu stehen.

Anwalt hilft, die Ansprüche durchzusetzen 

Dazu kommt noch, dass die finanzielle Situationen in den meisten Fällen kompliziert sind, wodurch sich auch für Noch-Ehegatten, bei denen eigentlich eine funktionierende Gesprächsbasis herrscht, durchaus Konfliktpotential verbergen kann. Zudem ist eine Scheidung, besonders wenn größere Vermögenswerte im Spiel sind, mit steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen verknüpft. Diese überblickt man als Laie nur schwer oder übersieht sie im schlimmsten Falle sogar, was zu finanziellen Problemen führen kann.

Auch besteht etwa die Möglichkeit, dass man über seine Rechte, Pflichten und Ansprüche gar nicht vollständig aufgeklärt ist und so die Gefahr gegeben ist, dass man manche Entscheidungen oder Zugeständnisse, die man im Scheidungsvergleich gemacht hat, später bereut.  

Unkomplizierte und flotte Abwicklung des Scheidungsverfahren 

Außerdem ist die Unterstützung eines Rechtsexperten dabei dienlich, das Scheidungsverfahren schnell und unkompliziert abzuwickeln. Denn ein Scheidungsanwalt ist mit den Stolpersteinen und bürokratischen Herausforderungen, die mit diesem Prozedere verbunden sind, vertraut. Zumindest ist angeraten, sich von einem Experten für Familienrecht beraten zu lassen.

Wann sollte man auf jeden Fall einen Anwalt nehmen? 

In bestimmten Situationen ist es unbedingt erforderlich, sich juristische Unterstützung im Scheidungsverfahren zu holen, da der Verzicht auf einen Anwalt schwerwiegende Folgen nach sich ziehen würde.

Auf keinen Fall sollte man auf einen Anwalt verzichten, wenn es sich um eine streitige Scheidung handelt, oder wenn man sich über bestimmte Angelegenheiten, wie etwa Unterhaltsfragen oder die Obsorge uneinig ist. In diesen Fällen kann man seine Bedürfnisse und Vorstellung hinsichtlich des Scheidungsvergleiches nur erreichen, wenn man mit einem Rechtsbeistand zusammenarbeitet. Dieser weiß, wie er vor Gericht argumentieren muss, um für seinen Mandanten das Beste herauszuholen und ist über dessen Ansprüche im Bilde. Auch wenn man in der Situation ist, dass sich die andere Partei einen eigenen Anwalt nimmt, sollte man in diesem Fall auf keinen Fall auf einen Scheidungsanwalt verzichten, da man damit in der schlechteren Position wäre.

Gemeinsamer Anwalt bei Scheidung 

Ist es ratsam, sich im Falle einer einvernehmlichen Scheidung gemeinsam von einem Anwalt beraten zu lassen? Was sollte man dabei beachten? Handelt es sich um eine einvernehmliche Scheidung, bei der man in erster Linie nach juristischer Beratung und Aufklärung über die  Aspekte sucht, die mit der ehelichen Trennung verbunden sind, kann ein gemeinsamer Anwalt durchaus Sinn ergeben. Dabei sollte man jedoch bedenken, dass es sich bei einer Ehescheidung um eine Angelegenheit handelt, in der Parteien mit “widerstreitenden Interessen” beteiligt sind. Dies ist auch der Fall, wenn diese einvernehmlich vonstatten geht. Das heißt, dass der Anwalt, wenn er beide Parteien vertritt, möglichst neutral bleiben muss und nicht für die Interessen der einen oder der anderen Seite eintreten kann. Ein Vorteil, den ein gemeinsamer Anwalt bringt ist, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Noch-Eheleute sich im Guten trennen und das Risiko für Streitereien und Rosenkriege damit reduziert wird.

Gemeinsamer Anwalt als Mediator  

Darüber hinaus kann ein gemeinsamer Rechtsbeistand dann hilfreich sein, wenn er über eine zusätzliche Ausbildung als Mediator verfügt. So kann er zwischen beiden Ehegatten vermittelnd auftreten und dabei helfen, etwaige Konfliktpotentiale zu entschärfen. Ein Anwalt mit Mediatorenausbildung hat gegenüber einem Mediator, der nicht Jurist ist den entscheidenden Vorteil, dass er über die rechtlichen Aspekte Bescheid weiß und deshalb Mediation und rechtliche Beratung miteinander verknüpfen kann.

Um die Dienste eines gemeinsamen Anwalts fruchtbar nutzen zu können, muss jedoch vorausgesetzt werden, dass dies im gegenseitigen Einvernehmen geschieht und sicher ist, dass keine der Parteien zusätzlich einen Anwalt für die eigenen Interessen aufsucht.

Einen oder zwei Anwälte? 

Ist es ratsam, gemeinsamen Anwalt zu nehmen oder ist es doch besser, dass jede Partei für sich einen Rechtsbeistand aufsucht? Lassen sich die künftig Geschiedenen getrennt voneinander von unterschiedlichen Anwälten beraten, so hat das einige Vorteile. So laufen die Anwälte nicht Gefahr, in einen Interessenkonflikt zu geraten und können sich ganz auf die Ansprüche und Bedürfnisse eines einzigen Mandanten konzentrieren. Für die jeweiligen Parteien hat ein eigener Scheidungsanwalt einige entscheidende Vorteile. So steigt etwa die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Rechte und Ansprüche in Bezug auf die Trennung kennen und ein kompetenter Anwalt ihre Bedürfnisse im Scheidungsvergleich durchsetzen kann.

Bei einer strittigen Scheidung oder einer Scheidung mit Konfliktpotential ist es zudem unbedingt angeraten, sich getrennt voneinander einen Rechtsbeistand zu suchen. In diesem Fall können die jeweiligen Anwälte Unterstützung leisten, die Klärung der Fragen auf sachlicher Ebene durchzuführen und auf diese Weise emotional aufgeladene Streitereien und Rosenkriege vermeiden.

Lohnt sich eine Scheidung ohne Anwalt? Selbst bei einer einvernehmlichen Trennung, bei der sich die Parteien über Angelegenheiten wie Obsorge, Unterhaltsangelegenheiten und Vermögensaufteilung einig sind, ist es angeraten, sich von einem Experten für Familienrecht beraten zu lassen. Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man über die eigenen Rechte und Pflichten, sowie finanzielle Konsequenzen, die mit einer Scheidung verknüpft sind, nicht vollständig aufgeklärt ist.


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